blog und wiki des projektes offene kartierung

FAQ zum Projekt MappingPostkolonial


1. Rundgänge

1.1. Was geschieht bei den Rundgängen? Was ist das Konzept?

Unter /BeschreibungRundgaenge wird der inhaltliche und praktische Rahmen der Rundgänge beschrieben.

Einige Fragestellungen zu den Rundgängen werden unter /FragenRundgaenge zusammengetragen.

Die Rundgänge setzen sich aus zwei Blöcken zusammen: Einführung, Rundgang und abschliessendes Gespräch 1 1/2 Stunden, kurze Pause, Auswertung des Materials und provisorische Kartenerstellung 1 1/2 Stunden. Gesamtdauer 3-3 1/2 Stunden.

Die Rundgänge sind Mitmach-Rundgänge: Für die Rundgänge werden wir GPS-Geräte, Digitalkameras und Schreibblöcke zur Verfügung stellen, mit denen der Verlauf der Rundgänge, eure Wahrnehmungen und gefundene Spuren dokumentiert werden sollen und die später als Grundlage für offene Karten genutzt werden.

1.2. Was sind die Bedingungen einer Teilnahme?

Die Teilnahme an den Rundgängen ist kostenlos. Wir freuen uns über eine vorherige [Anmeldung]. Die Einführung zu den Rundgängen wird in deutscher Sprache gehalten, auf Wunsch kann diese auch in Englisch übersetzt werden. Die Rundgänge bewegen sich im öffentlichen Straßenraum.

1.3. Wie kann ich mich anmelden?

Wir haben für die Teilnahme an den Rundgängen eine Online-[Anmeldung] eingerichtet.

1.4. Was geschieht mit den Geodaten, Fotos und Notizen, die während der Rundgänge entstehen?

Jeweils im Anschluß an einen Rundgängen werden diese Spuren zu einer provisorischen Karte zusammengetragen. Teilnehmende der Rundgänge können sich gerne daran beteiligen und so die Form und Ausrichtung der Karten mitgestalten. Alle Spuren und die Karten wird hier auf diesem Wiki dokumentiert. Diese Spuren werden unter eine offenen CreativeCommons? Lizenz veröffentlicht und können somit für eine weitere Bearbeitung oder Veröffentlichung genutzt werden.


2. Kontext und Begriffe

2.1. Was bedeuten die verwendeten inhaltlichen Begriffe?

Während dieses Projekts beschäftigen wir uns mit Begriffen, die aus einer kritischen Untersuchung und Bewertung der kolonialen Geschichte "westlicher" Länder und einer Kritik deren spezifischer Form von Gesellschaftlichkeit entstanden sind. Für unsere Auseinandersetzung zentrale Begriffe sind Kolonialismus, Postkolonialismus, Weiß-Sein (oder Whiteness), Rassismus sowie Sex und Gender. Um einen Einstieg in dieses Thema zu erhalten, dokumentieren wir hier die Begriffserklärungen aus der dt.sprachigen Wikipedia. Für eine tiefergehenden Einstieg in die Thematik empfehlen wir einige Texte, die im Netz verfügbar sind. Gleichzeitig freuen wir uns über Anregungen oder Tips hierzu!

Kolonialismus

"Der Kolonialismus ist eine Herrschaftsbeziehung zwischen Kollektiven, in welcher die zentralen Entscheidungen über das Leben der Kolonisierten durch eine kulturell verschiedene und nicht anpassungswillige Minderheit von Kolonialherren unter hauptsächlicher Bezugnahme auf deren Interessen beschlossen werden. In der Neuzeit kommen noch sendungsideologische Rechtfertigungsdoktrinen seitens der Kolonialherren hinzu, die von ihrer eigenen kulturellen Höherwertigkeit überzeugt sind." -- aus: WikiPedia:Kolonialismus

"Ein weiteres Charakeristikum bildet der weltgeschichtlich seltene Unwille der kolonialen Herrscher sich auch auf die unterworfenen Gesellschaften zuzubewegen. Man erwartete von den Beherrschten eine fast totale Akkulturation an die Normen und Gebräuche Europas. Im 19. Jahrhundert wurde diese einseitigen Anpassungsforderungen durch die angeblich unüberwindliche rassische und kulturelle Höherwertigkeit der weißen Rasse gerechtfertigt." -- aus: WikiPedia:Kolonialismus

"Man sprach auch von the white man’s burden, den kulturell „zurückgebliebenen“ Völkern die „Zivilisation“ zu bringen. Dies beinhaltet neben der Überzeugung von der eigenen Überlegenheit noch zusätzlich das Sendungsbedürfnis diese anderen auch durch aggressiv-expansionistisches Vorgehen aufzuzwingen." -- aus: WikiPedia:Kolonialismus

Postkolonialismus

"Postkolonialismus ist eine geistige Strömung seit Mitte des 20. Jahrhunderts aus der Zeit nach dem Kolonialismus, die sich auf diesen bezieht. (...) Vorausgegangen ist daher die Unabhängigkeit der Kolonie von ihrem Mutterland. (...) Postkolonialistische Ansätze untersuchen Kultur und Identität sowohl der Kolonialzeit als auch der Zeit danach im Kontext des Kulturkonfliktes der "Kolonisierten" wie auch der Kolonialmacht." -- aus WikiPedia:Postkolonialismus

"Postkoloniale Ansätze gehen auch davon aus, dass die Kolonisierung nicht nur Spuren bei den Kolonisierten hinterlassen hat, sondern auch bei den Kolonisierenden. Postkoloniale Ansätze versuchen, diese Spuren des Kolonialismus z.B. in Europa aufzudecken und zu zeigen, wie sehr der Kolonialismus auf das Selbstverständnis Europas und der Europäer eingewirkt hat." -- aus WikiPedia:Postkolonialismus

Weißsein (oder Whiteness)

"Weißsein (auch Weiß-Sein, von am. Whiteness) ist im Wesentlichen eine Kategorie zur kritischen Analyse gesellschaftlich gebildeter Normen, die Rassismus verursachen oder begünstigen." -- aus WikiPedia:Weißsein

Rassismus

"Rassismus teilt die Menschheit in Gruppen oder Rassen ein, die als homogen betrachtet werden und unterstellt diesen eine kollektive Identität sowie unveränderliche Merkmale und Charakterzüge. Anhand dieser Einteilung bewertet der Rassismus die Menschen, hierarchisiert sie oder stellt sie als miteinander unvereinbar und konkurrierend dar." -- aus WikiPedia:Rassismus

Sex und Gender

"Das Wortpaar Sex und Gender wurde aus dem Englischen übernommen, um Missverständnisse auszuräumen, die bei der Verwendung des deutschen Worts „Geschlecht“ auftraten; darin sind der biologische, der soziale und der psychologische Aspekt der Geschlechtszugehörigkeit in einem einzigen Begriff vereint." -- WikiPedia:Sex_und_Gender

Sex

"Sex bezeichnet die körperlichen Geschlechtsmerkmale sowie die sich daraus ergebenden körperlichen Funktionen." -- WikiPedia:Sex_und_Gender

Gender

"Gender bezeichnet zum einen die soziale Geschlechtsrolle (gender role) beziehungsweise die sozialen Geschlechtsmerkmale. Es bezeichnet also alles, was in einer Kultur als typisch für ein bestimmtes Geschlecht angesehen wird (zum Beispiel Kleidung, Beruf und so weiter); es verweist nicht unmittelbar auf die körperlichen Geschlechtsmerkmale (Sex)." -- WikiPedia:Sex_und_Gender

"Gender bezeichnet ein von sozialen und kulturellen Umständen abhängiges Geschlecht; es ist daher eine soziokulturelle Konstruktion." -- WikiPedia:Sex_und_Gender

"[...] die Gender Studies bestreiten einen kausalen Zusammenhang von biologischem und sozialem Geschlecht und dessen Kontinuitätsbestreben. Das soziale Geschlecht wird vielmehr als eine Konstruktion von Geschlecht (Doing Gender) verstanden. Hierbei geht es zwar vordergründig um die Zuordnung von Menschen in eine „typisch männliche“ oder „typisch weibliche“ Rolle, aber auch um den Wert der Geschlechtsrolle." -- WikiPedia:Sex_und_Gender

"Geschlecht und besonders seine Bewertung hängen ab von den in einer Gesellschaft vorherrschenden Machtstrukturen. So ist die Genderproblematik in einer matriarchalen Gesellschaft mehr oder weniger anders als in einer patriarchalen, weil die Begriffe „Männlichkeit“ und „Weiblichkeit“ in den verschiedenen Gesellschaften auch unterschiedlich bewertet werden und darüber gesellschaftliche Anspruchs- und Wahrnehmungsperspektiven geprägt werden." -- WikiPedia:Sex_und_Gender

2.2. Welche einführenden Texte gibt es zu den Themen Postkolonialismus und Weißsein?

Otto Busse: "[weiß-sein]"

Erschienen in: [diskus], [Schwerpunkt Rassismus], Heft 03/2004

"Weiße Privilegien sind an Weiß-Sein geknüpft. Mit Weiß-Sein ist keine Farbe gemeint – Weiß-Sein ist ein Konzept. Ein Konzept, welches in Jahrhunderten europäischer Expansion, Kolonialismus und Sklaverei entstanden ist; (...).

"Weiß-Sein ist eine Differenzkonstruktion: Weiß-Sein ist all das, was nicht-Schwarz ist, es konstruiert sich als Gegensatz. Weiß-Sein braucht daher das Schwarz-Sein, um existieren zu können. Schwarz ist das Markierte, das Bestimmbare, das Sichtbare; Weiß dagegen ist kaum zu fassen, es scheint auf keine spezifische Identität, auf keine klar bestimmbaren Qualitäten zu verweisen. Es ist scheinbar keine Farbe und doch alle Farben in einem, eine Leerstelle und doch universell, alles und nichts zugleich. Weiß-Sein erzeugt das Andere, entzieht sich aber selbst der Definition durch Andere."

Claus Kristen: [Die Taktik der "verbrannten Erde"]

Erschienen: [Analyse & Kritik] #503, 17.2.2006

"Deutschland ist ein Land, in dem die Kolonialgeschichte keineswegs beendet ist. Sie harrt vielmehr ihrer öffentlichen Bewusstmachung. Und das nicht nur, was die konkreten früheren Ereignisse betrifft. Ebenso wichtig ist es, die einschneidende mentale Prägung der Menschen, die tief greifende Veränderung des gesellschaftlichen Bewusstseins zu erkennen, die sich in den kolonisierenden Staaten selbst ergeben hat und die heute zwar modifiziert, aber keineswegs weniger wirksam ist als vor 100 Jahren."

2.3. Wo finde ich Informationen zur kolonialen Geschichte Hamburgs?

Einen umfassenden Einblick bietet die Sammlung [Hamburg kolonial] auf der Website [afrika-hamburg.de]:

"Der Hamburger Hafen war Drehscheibe des deutschen Kolonialismus. Wir leben in einer interkulturellen Stadt, die sich rühmt, weltoffen zu sein, dennoch gibt es hier kaum eine kritische, öffentliche Reflektion über die koloniale Erblast."

Die GAL-Fraktion der Hamburger Bürgerschaft hat soeben den Reader "Hamburg und Kolonialismus -- Kolonialspuren und Gedenkkultur im Selbstverständnis der Handelsstadt" ([PDF] ) veröffentlicht, mit Texten von Heiko Möhle, Victoria B. Robinson, Felix Brahm, Jokinen, u.v.a:

„Es fehlt in Deutschland nicht nur am öffentlichen Interesse für die Kolonialgeschichte“, schreibt Susan Arndt vom Afrika-Institut der Humboldt-Universität zu Berlin, „zugleich wird diese auch verherrlicht und verharmlost.“ Vor diesem Hintergrund soll der vorliegende Reader auch in seiner überarbeiteten Fassung einen Beitrag dazu leisten, die Geschichte Hamburgs in Bezug auf dieses Thema zukünftig nüchterner und angemessener als bisher darzustellen. Wir wollen weiterhin Fragen besprechen, die eine breitere Öffentlichkeit für diesen Teil der eigenen Geschichte sensibilisieren können."